Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
 

26.04.1993 Sächsische Zeitung
 

Erstmals wird Industriebrache dieses Ausmaßes wiederbelebt


 

Fördermittelbescheid für Gewerbepark an Wilthener Straße übergeben

"Bei seinem ersten Besuch in den ehemaligen Robur-Werken war ich nahe am Herzinfarkt, weil mir klar wurde, welche Vergangenheit wir hier zu bewältigen haben." Mit diesen Worten kennzeichnete Bautzens Bürgermeister Christian Schramm aussagekräftig das, was zurückblieb, als der Bautzener Betriebsteil des Robur-Werkes Zittau Ende 1991 endgültig stillgelegt wurde. Über 1000 Frauen und Männer waren hier bis zur Wende mit der mechanischen Kleinteileproduktion und der Endmontage von verschiedenen Lkw beschäftigt. Mit der Umwandlung des ROBUR-Werkes in eine GmbH wurde der Standort Bautzen aufgegeben. Trotz intensiver Bemühungen fanden sich weder für das Gesamtobjekt noch für Teile davon Investoren. Was also anfangen mit einer zirka 60 000 Quadratmeter großen und teil weise in katastrophalem Zustand befindlichen Industriebrache?
Es wurde die Idee geboren, auf dem Gelände an der Wilthener Straße verschiedene Gewerbe anzusiedeln. Im Dezember vergangenen Jahres gründete sich die Gewerbepark Wilthener Straße. Mit Engagement, Kompromissbereitschaft und einem gewissen Maß an Hartnäckigkeit nahmen die Initiatoren eine Hürde nach der anderen. Der Liquidator weckte bei der Treuhand die Bereitschaft, die Flächen zu einem symbolischen Preis an die Stadt zu verkaufen; die Stadt beschloß, Eigentümer des Betriebsgeländes zu werden, damit die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt waren, um ABM-Kräfte auf dem Gelände einsetzen zu können, die Bundesanstalt für Arbeit finanzierte die ABM-Objekte und und und.
Als letzte noch ausstehende Voraussetzung galt die Bereitstellung von Fördermitteln durch das Land Sachsen. Der Bewilligungsbescheid für über sechs Millionen Mark wurde am vergangenen Freitag durch Dr. Franz Weisheu, Abteilungsleiter Wirtschaft und Arbeit beim Regierungspräsidium, vor Ort an der Wilthener Straße übergeben. Das war Anlaß genug, das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen und Bilanz über das bisher Erreichte zu ziehen. Dabei war zu erfahren, daß in der ersten Arbeitsphase durch ABM-Kräfte Altlasten und nicht mehr verwertbare Gebäude beseitigt werden. Auf 10 bis 15 Prozent der vorhandenen Substanz trifft das zu. In der anschließenden Sanierungsphase sollen mit einem Finanzaufwand von 16,8 Millionen Mark die noch brauchbare Anlagen und Hallen wieder vermietfähig hergerichtet werden. "Dabei begnügen wir und nicht mit bloßen Verschönerungsanstrichen und Behelfssanierungen", erklärte Utz Eisenrigler, Geschäftsführer der Gewerbepark GmbH.
Die Wiederbelebung einer Industriebrache diesen Ausmaßes ist bisher erstmalig in Sachsen. Der Gesamtkostenaufwand für den Gewerbepark beläuft sich auf reichlich 24 Millionen Mark. Zirka 70 Firmen können sich im Gewerbepark einmieten, vor allem an Klein- und Mittelbetriebe aus dem produzierenden Bereich, Dienstleistungen im weitesten Sinne und einige kleinere Handelseinrichtungen ist, gedacht. "Bis jetzt haben wir schon mit 80 Interessenten gesprochen, und es gibt rund 15 ganz konkrete Mietabsichten, womit ein Drittel der Fläche belegt wäre", konnte Utz Eisenrigler berichten. "Diese 15 würden 100 bis 120 Arbeits- und rund 100 Ausbildungsplätze schaffen." Insgesamt sind im Gewerbepark, der Ende 1996 voll funktionsfähig sein soll, rund 400 Arbeitsplätze vorgesehen. "Das Angebot richtet sich besonders an Existenzgründer. Sie brauchen so ihr Kapital nicht für Grund und Boden ausgeben, sondern können in ihr Unternehmen investieren", macht Rolf Scheibe, Bautzens Wirtschaftsdezernent, deutlich.
 
17.05.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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