Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
 

15.01.1994 RKW-Sachsen Aktuell
 

Die Chancen nutzen Gewerbeparks und Förderzentren als neue Kristallisationspunkte wirtschaftlicher Entwicklung


 

Vom Erhalt industrieller Kerne wurde soviel gesprochen. Keine Frage, daß es sich dabei um eine ebenso wirtschafts- wie sozialpolitisch vernünftige und notwendige Maßnahme handelt. Geteilt sind die Meinungen nur, wie der Inhalt dieser "Kerne" auszusehen hat. Traditionsregionen zu fördern, das hat nur dann Sinn, wenn sie wettbewerbsfähige Betriebe erhalten und ansiedeln. Erstaunlich oder doch nicht: Es gibt erfreuliche, auch vom RKW Sachsen begleitete, Initiativen von Fördezentren (siehe auch Heft 9/93) oder Technologieparks. Manche Brache wird wieder urbar.

Bautzen ist eine ehrwürdige mittelalterliche Stadt; ihr Charme wird zwar noch ein wenig von der jüngere Geschichte und den renovierbedürftigen Fassaden verdeckt, aber da ist auch nur eine Frage der Zeit. Die Metropole der Lausitz hat zu dem, wie die meisten Städte un Regionen, mehr als im Westen mit dem Niedergang einstiger Großbetriebe zu kämpfen. Doch deren Erhalt kann nur teilweise, und schon gar nicht auf Dauer die Lösung sein. Neue, wettbewerbsfähige Unternehmen müssen sich ansiedeln. Platz und Infrastruktur wäre da, benötig werden Ideengeber, Investoren schlicht neue unternehmerisch Impulse. Die Robur-Werke Zittau wurden nicht nur von der Wende, sondern auch vom Abwärtstrend der gesamtdeutschen Branche getroffen. Die Lösung, in einer GmbH die restlichen Aktivitäten aus anderen Werken auf Zittau zu beschränken, mußte jedoch für den Bautzener Betriebsteil an der Wilthener Straße das Aus bedeuten.

Bis 1989 waren dort noch über 1000 Arbeitskräfte mit der mechanischen Kleinteileproduktion und der Endmontage verschiedener Lkw-Typen beschäftigt. Trotz vielerlei Bemühungen der Stadtväter, Wirtschaftspolitiker und Verhandlungen auch seitens der Treuhand mit über 70 Firmen fanden sich für den Bautzener Betrieb weder als Gesamtobjekt noch für einzelne Teilbereiche Investoren. Bereits im Herbst 1991 wurde der Betrieb stillgelegt. "Die Chancen, für diese zwar auf einem Gelände von über 60 000 Quadratmetern befindliche, aber teilweise in einem katastrophalen Zustand vorliegende Industriebrache doch noch einen Interessenten zu finden", erklärt Utz Eisenrigler, Geschäftsführer des daraus gegründeten Gewerbeparks, "waren gleich Null".

Und es bedurfte noch vielerlei Kraftanstrengungen, bis die Wiederbelebung dieses aufgegebenen Betriebes, "in dieser Größenordnung die erste in Sachsen", verwirklicht werden konnte. Voraussetzung für den Erfolg dieses Pilotprojekts, das auf Kontakte mit dem Verband der deutschen Automobilindustrie und die Initiative "West hilft Ost" zurückgeht, war ohne Zweifel die enge Zusammenarbeit von Stadt, Land, Bundesanstalt für Arbeit (BfA), Treuhand, Liquidator und der Betreibergesellschaft.

Der Liquidator weckte bei der Treuhandanstalt die Bereitschaft, den Grund und die Anlagen (25 000 m² überdachte Nutz-, davon 16 000 m² Produktionsfläche und je 4 500 m² Büro- und Lagerräume sowie 15 000 m² Freifläche) zum symbolischen Preis einer Mark an die Stadt zu verkaufen. Die BfA finanzierte sechs ABM-Objekte für Abriß- und Sanierungsarbeiten sowie Altlastensanierung. Das Land schöpfte in der Sanierungsphase mit über 6 Mio. DM die Fördermöglichkeiten voll aus (Bedingung: mindestens 51 Prozent der einzumietenden Betriebe müssen förderfähig sein) und die Betreibergesellschaft des "Gewerbeparks Wilthener Straße" beteiligte sich mit rund 10 Mio. DM. Der Gesamtkostenaufwand beläuft sich auf über 24 Mio. DM.
Für die Stadt ergeben sich ebenfalls respektable Perspektiven. "Rund 600 Arbeits- und Ausbildungsplätze werden geschaffen", ist sich Eisenrigler sicher, "denn wir erwarten, daß sich etwa 70 bis 100 Firmen langfristig zu den günstigen Bedingungen einmieten werden". Gedacht ist vorrangig an Klein- und Mittelbetriebe aus dem produzierenden Gewerbe, Dienstleister und einige Handelseinrichtungen. Bis jetzt haben wir schon mit über 200 Interessenten gesprochen und nach wenigen Monaten können zwei Drittel der Fläche als belegt betrachtet werden". Die absehbare Mieterstruktur mit dem hohen Anteil produzierenden Gewerbes, qualifizierter Dienstleistungs- und Ausbildungsunternehmen entspricht dem von allen Initiatoren gewünschten Beitrag zur Strukturverbesserung. Dabei hilft auch die RKW-Mitgliedschaft des Gewerbeparks. "Diese Entscheidung wurde mit Überzeugung getroffen", so der Initiator, "da uns und unseren Mietern das RKW Sachsen fördernd das Leben erleichtert und die Informations- und Schulungsmöglichkeiten über ein erstklassiges Seminarprogramm optimiert werden können".

Das sich entwickelnde Gefühl einer "Großfamilie" bestätigt das gesetzte Ziel, einen umweltfreundlichen Gewerbepark zu schaffen, "in dem Arbeiten auch Freude macht". Der erste Abschnitt umfaßt knapp die Hälfte der zu sanierenden Fläche und soll Mitte 1994 abgeschlossen sein. Weitere 6 000 m sind für das zweite Halbjahr eingeplant. Bereits heute wären, meint der Geschäftsführer, erste Konturen der erwarteten Synergieeffekte erkennbar.

"Aber spätestens Ende 94 wird offensichtlich der Beweis angetreten sein, daß das Umnutzen von Industriebrachen zur kostengünstigen Ansiedlung von Existenzgründern sowie Klein- und Mittelbetrieben eine zwar anstrengende, aber aus der Sicht der Wirtschaftspolitik und Strukturförderung wünschenswerte Alternative zur grünen Wiese’ getreu dem Motto: Gewerbepark macht Gewerbe stark, darstellt."
 
17.05.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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