Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
 

30.04.1993 Bautzener Bote
 

Umgestaltung der ROBUR-Industriebrache ist Pilotprojekt


 

6,08 Mio. DM Fördergelder

Bautzen. Wer m letzten Jahr das Gelände des ehemaligen ROBUR-Werkes auf der Wilthener Straße in Bautzen betrat, fand den Betrieb nahezu menschenleer, die Hallen verschlossen. Der traditionsreiche Fahrzeugproduzent, für den sich trotz vieler Bemühungen kein Investor gefunden hatte, war am Ende des Jahres 1991 stillgelegt worden, die Liquidation begann.
Ein kleiner Teil der ehemals etwa 1000 Beschäftigten versuchte, in einer ABS eine neue Perspektive zu finden, gab es doch auf dem Betriebsgelände vor allem bei der Altlastenbeseitigung Arbeit genug. Doch da gesetzliche Bestimmungen deren Einsatz nur auf Flächen der öffentlichen Hand gestatteten, blieben auch sie, zwar bezahlt, aber beschäftigungslos, zu Hause. Die Chancen, für diese Industriebrache doch noch einen Investor zu finden, waren damit gleich Null.

Gewerbepark für viele Betriebe

Einziger Weg aus der Sackgasse schien die Umstrukturierung zu einem Gewerbepark zu sein. Alfred Müller, seit 40 Jahren Im ROBUR-Werk, und Utz Eisenrigler, der gerade In Wuppertal ein Betriebsgelände zu einem Gewerbepark umgewandelt hatte, entwickelten ein solches Konzept auch für Bautzen. Auf dem 60 000 Quadratmeter großen Gelände sollten sich 60 bis 70 Betriebe unterschiedlichster Art und Größe zu günstigen Bedingungen langfristig einmieten können, ganz gleich, ob sie nur wenige Räume oder aber eine Halle benötigen. Vor allem Existenzgründer würden so Ihre Kreditmittel nicht in den Kauf von Grund und Boden stecken müssen, sondern könnten sie in die technische Ausstattung Ihrer Firmen Investieren. Solch ein funktionierender Gewerbepark zeichnet sich aus durch seinen gesunden und flexiblen Branchenmix von Klein- bis Mittelbetrieben vor allem aus dem produzierenden Gewerbe, Dienstleistungen im weitesten Sinne und einigen wenigen, kleinen Handelseinrichtungen. Auch die Arbeitsplätze für die etwa 500 Beschäftigten, die hier tätig sein würden, wären in Ihrer Gesamtheit besonders stabil und eben nicht bedroht, wenn der eine oder andere Betrieb wieder schließen und Platz machen müßte für einen neuen Mieter.

Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung betrieben hier die Wirtschaftsförderung im besten Sinne Denn immerhin sechs Partner mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen mußten dazu gebracht werden, ihre Möglichkeiten bis zum Äußersten auszuschöpfen, sollte aus diesem Konzept Realität werden. Inzwischen ist man die Strecke, gepflastert mit dem "Wenn - aber" gegenseitiger Abhängigkeiten, unverdrossen bis zum Ende gegangen: Der Liquidator weckte bei der Treuhand die Bereitschaft, die Flächen zu einem symbolischen Preis der Stadt zu verkaufen; die Stadt beschloß, Eigentümer des Betriebsgeländes zu werden, damit die bis dahin noch immer beschäftigungslosen ABM-Kräfte auf dem nun kommunalen Boden Abrißarbeiten und Altlastenbeseitigung betreiben konnten, die Bundesanstalt für Arbeit finanziert die dafür notwendigen sechs ABM-Objekte mit erheblichen Mitteln; die Landesregierung mußte bereit sein, in der Sanierungsphase den möglichen Förderrahmen voll auszuschöpfen, die Betreibergesellschaft für den künftigen Gewerbepark mußte, sich gründen. Wenn nur einer der Beteiligten seinen Beitrag nicht leisten würde, wäre der Beitrag der übrigen nutzlos geworden, das ganze Projekt gescheitert.

Beispiele für weitere Projekte

Inzwischen empfängt den Besucher auf dem Betriebsgelände in der Wilthener Straße endlich wieder Arbeitslärm. Die ABM-Kräfte haben mit den Abräumarbeiten begonnen. Etwa zehn Prozent der Gebäudenutzfläche sind nicht mehr verwendbar und worden abgerissen, länger wird die Entsorgung des stellenweise bis zu 5 Meter tief mit Öl getränkten Bodens dauern. Doch parallel zur Beseitigung dieser Altlasten beginnt bereits die Sanierungsphase, in der Gebäude für Gebäude den Anforderungen der künftigen Mieter angepaßt wird. Die ersten Mieter sind bereits da, im März hat die Betreibergesellschaft, die Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, zielstrebig mit der Vermarktung der Flächen und Räume begonnen, die bereits saniert sind.
Die beiden Geschäftsführer Utz Eisenrigler und Alfred Müller können dabei auf ihre umfangreichen Vorarbeiten bei der Planung des Gewerbeparkes zurückgreifen. In fünf Jahren sollen mit einem Kostenaufwand von insgesamt etwa 25 Millionen DM alle Voraussetzungen geschaffen sein, daß das gesamte Betriebsgelände, auch zum Teil mit Neubauten, den Mietern zur Verfügung steht. In nur etwa sechs Monaten ist in Bautzen gelungen, wozu andernorts oft noch Jahre nötig sind. Vor allem, weil hier bei der Stadt der absolute Wille da war, dieses Projekt zu verwirklichen. Und dafür hat man unkompliziert und mit großer Kraftanstrengung Hindernisse immer wieder aus dem Weg geräumt", meint Utz Eisenrigler. So kann in Bautzen als Pilotprojekt erstmals in Sachsen gelingen, eine Industriebrache solchen Ausmaßes in einen Gewerbepark zu verwandeln. Was uns hier in der Wilthener Straße gelungen ist, sollte kein Einzelbeispiel bleiben, nicht in Sachsen, aber auch in Bautzen nicht", meint Bürgermeister Christian Schramm. Denn weitere stillgelegte Betriebsflächen , die wider zum Leben erweckt werden müssen, gibt es leider auch in unserer Stadt noch. Die Erfahrungen, die wir jetzt mit dem ehemaligen ROBUR-Werk gesammelt haben, könnten uns dabei helfen."

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Franz Wiesenheu (rechts), Abteilungsleiter Wirtschaft
und Arbeit beim Regierungspräsidium, übergibt Bürgermeister Christian Schramm den Förderbescheid, welcher der Stadt Bautzen einen Zuschuß von 6,08 Mio. DM zur Errichtung des Geworbeparkes garantiert.

(ohne Bild / Bildunterschrift)
Utz Eisenrigler (links) und Alfred Müller (rechts), beide Geschäftsführer der Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, erläuterten den Gästen vom Regierungspräsidium Dresden bei einem Rundgang den Stand der Dinge. Es bedarf sicher noch einiger Phantasie, um sich vorstellen zu können, das hier in Kürze einmal produzierendes Gewerbe floriert.
 
17.05.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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