Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
 

06.12.2000 Sächsische Zeitung
 

In Bautzen wird seit fünf Jahren Ricochet gespielt - und dies äußerst erfolgreich


 

Fußball, Formel 1 oder Tennis sind die Ausnahme. Die meisten Sportarten
stehen abseits des Rampenlichts. In den Medien tauchen sie meist
gar nicht auf. Die SZ rückt die Randsportarten der Lausitz in einer
Serie in den Mittelpunkt. Heute: Die Ricochet-Spieler aus Bautzen.

Von Daniel Klein

Die ersten Probleme treten bei der Aussprache auf: Ricochet stammt
aus dem französischsprechenden Teil Kanadas. Deshalb muss es phonetisch
korrekt "Rikoschee" heißen. Norbert Kaczmarek ist das Stottern der
Gesprächspartner vertraut. Auch, dass als Eselsbrücke eine ähnlich
klingende Salatsorte herhalten muss.
Für die stets darauffolgende Frage nach dem Wesen dieser äußerst
seltenen Sportart hat der Spielertrainer des Ricochet-Clubs Bautzen
eine Standardantwort parat. "Es ist schneller als Squash. Der Ball
ist leichter, der Schläger kleiner und die Regeln sind etwas anders."
Sonst meidet der 39-Jährige jedoch den Vergleich zum artverwandten
Rückschlagsport. Mit einer Ausnahme: "Squash ist etwas für alte
Männer." Was der Großpostwitzer damit meint, wird zunächst kaum deutlich.
Die 44 Quadratmeter großen Boxen sollen zwar kleiner und niedriger
sein als die Glaskästen beim Squash, doch wer nicht täglich einen
kleinen Gummiball gegen eine Wand drischt, bemerkt den Unterschied
kaum. Wohl aber die Betreiber von Fitness-Studios. Die kommen mit
weniger Platz aus. Was wiederum Kosten spart.
Vor fünf Jahren öffnete im Bautzener Gewerbepark "Wilthener Straße"
der Fitness-Tempel "Go In" und damit die erste Ricochet-Anlage der
sächsischen Lausitz. Bis heute ist es auch die Einzige. Die nächsten
stehen in Cottbus und Dresden. In den neuen Bundesländern sind es
insgesamt acht. Weshalb der Osten als Ricochet-Mekka gilt.
Vor zwölf Jahren etwa entwickelte sich Ricochet in Kanada zur eigenständigen
Sportart, dann schwappte es nach Holland herrüber, bis es schließlich
vor acht Jahren Hamburg erreichte. Doch zur Trendsportart fehlt
dem Squash-Zwilling die Popularität. Was sich nach Kaczmareks Ansicht
kaum ändern wird. Doch gerade darin sieht der Dozent für Wirtschaftsfächer
einen Vorteil. "Bei Wettkämpfen fühlt man sich wie eine große Familie",
erzählt er. Was bei rund 2 000 Aktiven in ganz Deutschland kaum verwundert.

Zu den besten zählt Kaczmareks Sohn René. Vor anderthalb Monaten
gewann der 14-Jährige in Bautzen die German Open. Für derartige
Erfolge muss der Schüler zwei Mal die Woche trainieren. In drei
Jahren, wenn die Spreestädter die Europameisterschaft ausrichten
wollen, wäre er 17. Zwar noch nicht das Idealalter, das nach Ansicht
seines Vaters bei 20 beginnt, doch für Furore könnte er dennoch
sorgen. Derartige Erfolge hat Norbert Kaczmarek bereits abgeschrieben.
"Dafür bin ich schon zu alt", gesteht er und bestätigt damit seine
eigene These: Ricochet ist eben nichts für alte Männer.

Fitness-Center GO IN Bautzen, Wilthener Straße 32, Tel. (03591) 35 55 55.
Öffnungszeiten: täglich bis 24 Uhr geöffnet, sonntags bis 20 Uhr.
 
17.05.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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