Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
27.05.2006 Sächsische Zeitung
Im Dienste des Heilens und Helfens
Wer A wie Adermann sagt, muss auch B wie Bodenstein sagen. Seit 1969 leitet Henning Bodenstein die Geschicke des Gesundheitszentrums Adermann - 14 Jahre zuvor hatte er dort auch seine Lehre begonnen. Mittlerweile arbeitet der bodenständige Bautzener seit mehr als einem halben Jahrhundert im Unternehmen. Nicht viele Menschen können heutzutage auf eine so lange Zeit in ein und demselben Betrieb zurückblicken. "Ich bin meinen Eltern noch heute dankbar, dass sie mich damals an diese Arbeit herangeführt haben", sagt der 66-Jährige.
Dieses Heranführen begann nicht erst mit der Lehre ab 1955, sondern schon zehn Jahre früher. Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei. Viele Menschen hatten Arme oder Beine verloren. Der Bautzener Orthopädiemechaniker-Meister Artur Adermann wollte den Versehrten helfen. Im Haus Reichenstraße 3 gründete er am 20. Juni 1945 seinen kleinen Betrieb. Ob Prothesen oder Verbandsmaterial: Es fehlte an fast allem, doch Artur Adermann ließ sich nicht entmutigen. Helfen und heilen wollen - dieses Ziel vermittelte er auch seinem Sohn Henning Bodenstein.
Die Räumlichkeit stieß bald an ihre Grenzen. 1950 bezog Adermann zusätzliche Räume in der Kurt-Pchalek-Straße 19, dem heutigen Firmensitz. Der Betrieb war mittlerweile auf 31 Mitarbeiter gewachsen. Doch bald setzten neue Gesetze der DDR-Regierung der Entwicklung ein Ende: Private Handwerksbetriebe durften nur noch zehn Angestellte haben. 1969 starb Firmengründer Artur Adermann. Henning Bodenstein übernahm den Betrieb, der zu einem zuverlässigen Partner für Ärzte und Krankenhäuser geworden war. Doch der neue Chef der Firma Adermann - bei dem Traditionsnamen blieb und bleibt es - machte sich nicht nur auf dem Gebiet der Gesundheit einen Namen. Ältere Lausitzer erinnern sich vielleicht noch an die legendären Autobahnringrennen. Zu den Organisatoren gehörte Henning Bodenstein, der bis 1990 im Motorsportverband ADMV aktiv blieb. In seinem Handwerk war der Bautzener viele Jahre Obermeister des Kammerbezirkes Dresden. Nach 1990 setzte er sein ehrenamtliches Engagement als sächsischer Landesinnungsmeister der Orthopädietechnik fort - ein Amt, das er bis 2002 bekleidete.
Ab 1990 ging Henning Bodenstein mit seinem Unternehmen wieder auf Wachstumskurs. 1991 ließ er eine ehemalige Gaststätte in der Goschwitzstraße 31 zum Sanitätshaus umbauen. 1994 eröffnete die Firma Adermann eine Filiale in Bischofswerda. Parallel dazu wurde die orthopädische Werkstatt in der Kurt-Pchalek-Straße 19 rekonstruiert und modernisiert. 1996 wurde im Gewerbepark Wilthener Straße der Bereich Rehatechnik und Logistik angesiedelt. Im selben Jahr übernahmen die Bautzener eine orthopädische Werkstatt und ein Sanitätshaus in Kamenz, wo die bisherigen Betreiber aus Altersgründen ihre Tätigkeit beendet hatten. 1999 kam ein weiteres Sanitätshaus in Bretnig-Hauswalde hinzu.
Engagiert für das Theater
Mittlerweile beschäftigt die Firmengruppe Adermann 30 Mitarbeiter. Mehr als 30 Lehrlinge bildete das Unternehmen in seiner über sechzigjährigen Geschichte aus; auch jetzt gehört wieder ein Auszubildender zum Team, in dem sich Frauen und Männer etwa die Waage halten. "Früher war Orthopädie vor allem Männerarbeit. Man musste noch selber schmieden und Holz bearbeiten können. Heute machen moderne Technik und leichte Werkstoffe vieles einfacher", erklärt Henning Bodenstein.
Mehr und mehr legt er die Verantwortung in die Hände seines Sohnes Jörg. Der 39-Jährige arbeitet schon seit 1990 im Unternehmen mit. Außer der Arbeit für das Gesundheitszentrum engagieren sich beide Bodensteins für das Bautzener Theater und unterstützen Sportvereine. Nicht zuletzt kümmern sich Vater Henning als Rotarier in Bautzen und Sohn Jörg als Mitglied des Lions-Clubs in Kamenz um humanitäre Anliegen, zum Beispiel Spenden für Afrika.
SZ: Tilo Berger
Bilduntertitel:
Unternehmen mit Tradition: Seit mehr als sechzig Jahren gibt es das Gesundheitszentrum Adermann in Bautzen. Geführt wird der mittelständische Betrieb heute von Henning Bodenstein (r.) und seinem Sohn Jörg. Foto: privat
25.01.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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