Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
03.06.2005 Oberlausitzer Kurier
Theaterwerkstätten - Räuberhütte ist schon fertig verschraubt
Bautzen. In der Theatertischlerei riecht es nach Holz. Eine Kreissäge kreischt laut, als Sven Grimmer letzte Teile für das große Tor mit der Schwingtür zuschneidet. Mit einem Akkuschrauber bewaffnet, dreht er anschließend gemeinsam mit Michael Protze, dem Leiter der im Gewerbepark Wilthener Straße gelegenen Tischlerei, die Schrauben der Scharniere an. "Das ist eigentlich das letzte große Teil der Kulisse für den Karasek", erklärt Michael Protze. "Das Haus, die Drehbühne und alles andere ist fertig, denn am Montag beginnt die technische Probe auf der Ortenburg." Dann sind noch knapp vier Wochen bis zur Premiere am Donnerstag, 30. Juni. "Bis kurz zuvor werden oft noch Kleinigkeiten ergänzt, damit alles funktioniert und die Zuschauer nicht hinter die Bühne schauen können", ergänzt der gelernte Bau- und Möbeltischler. Kurz nach seiner Ausbildung kam er ans Bautzener Theater. Das ist nun schon 30 Jahre her. "Und noch immer ist die Arbeit interessant und spannend", erzählt der 52-Jährige. Er hat schon für das erste "Volksstück vom Johannes Karasek, genannt der Schrecken der Oberlausitz" vor zehn Jahren die Kulissen gebaut. Damals sei alles viel kleiner gewesen. Die größten Teile des Bühnenaufbaus sind in diesem Jahr sieben Meter lang. In der großen 26 Meter langen und 19 Meter breiten Werkstatt ist das kein Problem. Doch beim
Bauen muss auch an den Transport der Einzelteile gedacht werden. Das Modell und Zeichnungen mit genauen Maßangaben für die Kulissen erhielten die Mitarbeiter von Tischlerei, Schlosserei, Malsaal und Dekorationsabteilung von Bühnenbildner Miroslaw Nowotny.
Das war vor etwa fünf Wochen. Seitdem standen die Sägen, Bandschleifer und Fräsen in der Tischlerei nicht mehr still. Denn hier wurden aus großen Sperrholzplatten das drehbare Haus, die Holzbeplankung und der gesamte Hintergrund der Bühne gebaut. "Wir verwenden unbehandelte Naturhölzer, denn auf Haltbarkeit kommt es bei uns nicht so sehr an", ergänzt Michael Protze. Sind die Holzbauten fertig, können die Mitarbeiter des Malsaals und der Dekoration mit dem Verschönern und Imitieren der Oberflächen beginnen. So verwandelte sich das einfache Sperrholz beispielsweise in eine schwere Eichentür. Und auch Metallbeschläge, Eisentore und das Gestell für die drehbare Bühne werden in der Schlosserei der Theaterwerkstätten hergestellt. "Wir arbeiten alle Hand in Hand", sagt Michael Protze. Als Tischler am Theater muss er natürlich alles beherrschen, was ein Handwerker auch kann. "Aber wir können noch viel mehr", berichtet der Schirgiswalder. Besonders bei technischen Dingen sind Improvisationstalent und ungewöhnliche Lösungen gefragt, damit zum Beispiel Spiegel theatergerecht zerspringen. In den kommenden Wochen werden die neun Mitarbeiter zwischen Ortenburg und Theaterwerkstätten hin und her pendeln. Denn erst, wenn die gesamte Kulisse steht und die Schauspieler mit den Proben auf der Bühne begonnen haben, stellt man fest, wo noch etwas fehlt. Und obwohl Michael Protze schon vor der Premiere das ganze Stück gesehen hat, besucht er mit Familie und Freunden eine Vorstellung. "Es ist einfach etwas ganz anderes wirklich als Zuschauer das Somertheater zu erleben", sagt er. Obwohl er auch dann nicht aus seiner Haut kann. "Über kleine technische Pannen, die passieren, ärgere er ich mich, obwohl es die Zuschauer gar nicht bemerken."
Katrin Kunipatz
25.01.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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