Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
02.10.2000 Sächsische Zeitung
360 Behinderte werden im Arbeitsalltag gefördert und gefordert
Oberlausitzer Werkstätten sind seit 1996 im Gewerbepark zu finden
und haben sich zum verlässlichen Partner für Firmen aus der Region
entwickelt
"Wir arbeiten unter anderem mit Firmen aus Bautzen, Singwitz, Chemnitz
und Radeberg zusammen."
WERNER LUDWIGS-DALKNER, Werkstattleiter
Von Helga Koch
Falk, der nicht allzu viele Worte macht, hat neben seiner eigentlichen
Arbeit in der Behindertenwerkstatt eine weitere Aufgabe, die ihm
vielleicht noch wichtiger erscheint: Weil der junge Mann so flink
ist, wurde er zum Kurier "befördert". Er wird tatsächlich gebraucht,
um alles Mögliche zu überbringen innerhalb der mittlerweile fünf
Hallen, die die Oberlausitzer Werkstätten (OLW) im Gewerbepark Wilthener
Straße in Bautzen gemietet haben.
Die Werkstätten gehören zum Diakoniewerk Oberlausitz, das seit einem
Jahrzehnt besteht. Die drei Wohnheime der Spreestadt kamen 1993
hinzu. 1996 siedelten sich die Werkstätten im Gewerbepark an und
mieteten erst mal eine Halle. Doch die platzte bald aus allen Nähten.
Inzwischen arbeiten hier 360 Frauen und Männer, die auf Grund ihrer
schweren geistigen oder körperlichen Behinderungen auf dem freien
Arbeitsmarkt kaum je eine Chance bekämen. 60 Gruppenleiter und -helfer,
Sozialarbeiter sowie Verwaltungsangestellte betreuen die Behinderten.
Sehr verschieden sind die Tätigkeiten, die die Behinderten ausüben.
Ein wichtiger Bereich sind die Metallarbeiten, zum Beispiel das
Drehen, Fräsen, Zuschneiden von Blechen, CNC-Drehen oder Gewindeschneiden.
"Wir arbeiten unter anderem mit Firmen aus Bautzen, Singwitz, Chemnitz
und Radeberg zusammen", erläutert Werkstattleiter Werner Ludwigs-Dalkner.
In der Tischlerei werden Wünsche von Privatkunden erfüllt. Dort
entstehen Kleinmöbel, Treppen, Balkongeländer oder gar Zäune. Andere
Dinge wie CD-Ständer, Schreibtischsets, Drehteller und Holzspielzeug
werden im OLW-Shop in Bautzen, Hohengasse 16, angeboten.
Die Mitarbeiter des Bereiches Garten- und Landschaftspflege halten
sämtliche Anlagen des Gewerbeparkes in Ordnung, betreuen aber auch
die Grünflächen einiger außerhalb gelegener Firmen oder an Straßen.
In der Keramikabteilung entstehen seit langem im Kleinformat solche
Wahrzeichen der Stadt wie Reichenturm oder Wasserkunst, inzwischen
aber auch Services. Lampen und Mehrfachverteilersteckdosen werden
ebenso wie Autoscheibenwischer montiert oder verschiedenste Waren
für Firmen verpackt. Auch für die Hausreinigung sind Behinderte
eingesetzt.
Jeder erhält monatlich einen kleinen, eher symbolischen Lohn, je
nach den Einnahmen der Werkstätten. "Wenn es möglich ist, leisten
wir auch im Gewerbepark kleine Zuarbeiten, erfüllen Aufträge für
die Theaterwerkstatt oder eine Werbefirma", sagt Ludwigs-Dalkner.
Ihm liegt das Miteinander der Firmen sehr am Herzen. "Hier ist die
Integration der Behinderten gelungen." Die Hallen sind hell, die
Türen und Gänge breit genug für Rollstuhlfahrer, die Sozialbereiche
großzügig gestaltet. "Wir versuchen, individuelle Arbeitsplätze
einzurichten, achten zum Beispiel auf geeignete Stühle." Auch dazu
gibt es Partner im Gewerbepark.
Großen Wert legen die Oberlausitzer Werkstätten auf die begleitenden
Angebote. "Wir bieten jedem unserer Behinderten zweimal wöchentlich
zwei Stunden Malen, Sport, Basteln, Schwimmen, Fußball oder Bewegungstherapie
während der Arbeitszeit an." Hinzu kommen Ausflüge, Ferienfahrten
und Freizeiten - ebenfalls organisiert von den Werkstätten. Ein
bisschen wehmütig ist Ludwigs-Dalkner - und mit ihm gewiss manchem
Mitarbeiter - schon ums Herz, wenn er an den geplanten Neubau in
der Edisonstraße denkt, in den die Werkstätten voraussichtlich Anfang
2003 umziehen werden. Allerdings sollen auch dann 80 bis 90 Arbeitsplätze
weiter im Gewerbepark bestehen bleiben.
17.05.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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