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15.03.2004 Sächsische Zeitung
 

Bautzen damals & heute


 

Motorenteile für den Robur

An der Wilthener Straße arbeiteten 450 Leute

Für viele Sachsen verbindet sich der Name Robur vor allem mit Zittau und mit kleinen, rundlichen Lastkraftwagen und Bussen - doch auch in der Stadt Bautzen spielte Robur einst eine wichtige Rolle. Mehr als 1100 Leute hatten in den beiden Betriebsteilen Humboldt- und Wilthener Straße des damaligen "VEB Robur-Werke Zittau, Werk 3 Bautzen" eine Beschäftigung. Der Standort Wilthener Straße beherbergte ein Zentrum der mechanischen Fertigung. Hier wurden Einzelteile für Achsen und Motoren für die Nutzfahrzeuge hergestellt.

"Die Geschichte dieses Betriebes geht bis ins Jahr 1920 zurück", erinnert sich der frühere Werkleiter Alfred Müller. "Damals sollte der florierende Karosserie- und Fahrzeugbau an der Humboldtstraße erweitert werden. Die August Noack AG kaufte das Areal an der Wilthener Straße dazu." Mit Autos hatte die Produktion auf dem neuen Gelände allerdings wenig zu tun. Die Firma schuf sich mit Phenolharz-Erzeugnissen ein technisch eigenständiges zweites Standbein - lediglich wirtschaftlich waren die Betriebsteile miteinander verbunden.

Nach 1945 wurde der Chemiebetrieb vollständig demontiert, und an der Wilthener Straße zog wieder Stille ein. "Ein paar Firmen hatten hier ihre Lager", so Müller weiter. "Sonst wurde das Gelände wenig genutzt." Der Impuls für die Neubelebung sei dann abermals von der Humboldtstraße gekommen. "Der dortige Betrieb war Anfang der 50er Jahre Teil des Phänomen- und späteren Robur-Werkes Zittau geworden. Nun brauchte der zusätzliches Gelände. Die Wilthener Straße wurde wieder interessant."

Man richtete dort mehrere Linien der mechanischen Teilefertigung und einen Werkzeugbau ein; zudem siedelten sich Lager, Hauptmechanik, Konstruktion, Technologie und Verwaltung an. Einige dieser Bereich, so Müller, seien für beide Bautzener Betriebsteile zuständig gewesen. Der Betriebsteil Wilthener Straße hatte bis zu 450 Mitarbeiter.

Viele Jahre lang blieb der Robur in den sozialistischen Ländern ein gefragtes Erzeugnis - was natürlich auch dem Mangel an Alternativen geschuldet war. Die Bautzener Fahrzeugbauer galten als anerkannter Partner der Stadt, denn sie konnten aus betrieblichen Fonds Mittel für Kultur und Sport zur Verfügung stellen. Im Weltmaßstab waren Produkt und Produktion allerdings völlig veraltet.

"Eine Neuentwicklung wäre längst fällig gewesen" sagt Müller. "Außerdem arbeiteten wir mit verschlissenen Maschinen, die keine engen Fertigungstoleranzen mehr einhalten konnten. So etwas wirkte sich natürlich auf die Qualität des Gesamterzeugnisses aus." Zwar seien diese Probleme bekannt gewesen, doch es habe an Geld für Veränderungen gefehlt.

Das fiel Robur sofort nach der Wende auf die Füße. Der bisherige Markt brach zusammen, denn die Kunden konnten im Westen besser und sogar billiger kaufen. Mit einem anderen Motor und durch kostengünstigere Produktion wollte man die Fahrzeuge konkurrenzfähig machen - doch die Versuche scheiterten. Das Ende des Robur war besieget.


SZ: Birgitt Hilbig
 
25.01.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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