Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
02.10.2003 Sächsische Zeitung
Arbeit für 1 100 Menschen an einstiger Robur-Stätte
Seit einem Jahrzehnt eine sichere Bank, auch wenn hin und wieder Mieter wechseln / Interesse vor allem aus der Region und zunehmend übers Internet
Helga Koch
Der Gewerbepark Wilthener Straße in Bautzen gilt als Musterbeispiel für die Umnutzung einer Industriebrache. Wo einst Teile für den Robur-Lkw hergestellt wurden, arbeiten heute mehr als 1 100 Menschen in verschiedensten Branchen.
Rund 1 900 Besucher zählt der Gewerbepark Wilthener Straße jeden Monat - allein auf seinen Internetseiten. Die sind ansprechend, informativ, benutzerfreundlich. Das muss jenen Münchener Unternehmer überzeugt haben, der dringend einen neuen Standort für seine Feinwerktechnik suchte. "Er rief donnerstags an, sagte, dass er sich für zwei leere Hallen interessiert, kam Montag her, hat sich umgeschaut und gleich den Mietvertrag für eine Halle unterschrieben. Die andere war inzwischen weg", sagt Utz Eisenrigler, Geschäftsführer des Gewerbeparks Wilthener Straße in Bautzen. Wichtigster Nebeneffekt: drei Arbeitsplätze.
Vodafone war das Meisterstück
Dass es nicht immer so gut klappt, gehört genauso zu den Erfahrungen des Kaufmanns, der Anfang der 90er Jahre vom Westen in den Osten kam, um in der Fahrzeugindustrie Aufbauhilfe zu leisten. Nur, dass das alte Bautzener Robur-Werk damals schon nicht mehr zu retten war und er gleich wieder hätte umkehren können. Gemeinsam mit dem Robur-Betriebsleiter Alfred Müller entwickelte er die Vision eines außergewöhnlichen Gewerbegebietes.
Mit Hilfe der Stadt, des Arbeitsamts und einer Förderung des Regierungspräsidiums Dresden wuchs aus der Industriebrache seit Ende 1992 ein Gewerbepark, um den manche Gemeinde aus Ost und West die 45 000-Einwohner-Stadt Bautzen beneiden dürfte. "Wir haben nach und nach 35 000 Quadratmeter Gewerbefläche geschaffen, alte Hallen entkernt und völlig neu gestaltet, neue Gebäude errichtet. Alles nach den Bedürfnissen der potenziellen Mieter."
Alfred Müller, der erfahrene Techniker, hat sich nach einem Jahrzehnt gemeinsamer erfolgreicher Aufbauarbeit im Dezember 2002 in den Ruhestand verabschiedet. Er zählt bis heute zu den Besuchern des Gewerbeparks, seine Erfahrungen sind gefragt. Jetzt führt der Kaufmann Utz Eisenrigler die Gewerbepark GmbH allein, assistiert von seinem Sohn Ralf, der mit seinem Doppelstudium die qualifizierte Kontinuität der Gewerbeparkverwaltung sicherstellt und sich unter anderem auf den Schwerpunkt EDV konzentriert. Der Gewerbepark Wilthener Straße erscheint auf Seite eins bei der Internet-Suchmaschine Google.
45 Firmen mit 1 100 Mitarbeitern haben sich auf der einstigen Industriebrache angesiedelt: vom Ein-Mann-Büro über den Malermeister mit zwei Beschäftigten, ein supermodernes Rechenzentrum mit 50 Experten bis hin zu Tagungshotel, Fitness-Center, Reha-Zentrum und Vodafone-Call-Center. Das größte Meisterstück dürfte mit der Ansiedlung von Vodafone gelungen sein. 500 Beschäftigte arbeiten im Call-Center, vor allem Frauen. "Als bekannt wurde, dass ein großes Call-Center gebaut werden soll, haben wir uns sofort deutschlandweit umgeschaut, das Beste ermittelt und uns vorgenommen, unseres noch besser zu machen." Bautzen hatte schließlich trotz harter Konkurrenz die Nase vorn. Der Neubau fürs Call-Center hat die Gewerbepark GmbH, die zur finanzstarken Gesco-Gruppe gehört, sechs Millionen Euro gekostet. "Seit 1992 haben wir 25 Millionen Euro in den Gewerbepark investiert", sagt Utz Eisenrigler. Das bedeutete Arbeit: ausschließlich für regionale Firmen. Die Investitionssumme der Mieter für Maschinen, Anlagen, Zubehör und technische Ausrüstungen schätzt er auf 50 Millionen Euro. Allein Vodafone hat über 28 Millionen Euro investiert.
Noch Platz für einen weiteren Dreigeschosser
Die Firmen im Gewerbepark haben sich längst an "Pilger aus jeder Richtung" gewöhnt: aus Politik, Wirtschaftsministerium und Regierungspräsidium. Unternehmer und Kommunalpolitiker, die Industriebrachen zum Leben erwecken wollen, schauen sich um. Auch die Hausbank preise den Gewerbepark als "mustergültig und besonderes Beispiel dafür, dass sich die sonst unüblichen Investitionen in Gewerbe-Immobilien sogar in den neuen Bundesländern lohnen".
Zur regionalen Wirtschaft gebe es gute Kontakte, sagt Eisenrigler. Das Verhältnis zur Wirtschaftsförderung Sachsen und zum Landratsamt bezeichnet er als offen und aufgeschlossen: "Dort wird im Sinne der Wirtschaft gedacht." Auch mit der Stadt Bautzen gebe es Anzeichen für ein besseres Miteinander. Den Gewerbepark sieht der Geschäftsführer in einer "stabilen Situation", trotz einiger Wechsel. Vodafone hat sich angesiedelt, Personal aufgestockt. Der Handwerkerinnenhof musste trotz aller Bemühungen aufgeben. Quelle hat sein Call-Center geschlossen, Bosch-Siemens die Servicestation. Firmen sind mit vollen Auftragsbüchern wegen mangelnder Zahlungsmoral oder fehlender Kontakte Pleite gegangen.
Eisenrigler nennt Dial Marketing als Beispiel, wo es nach der Insolvenz durch eine Ausgründung erfolgreich vorangeht. "Es hat sich einiges sortiert, aber die meisten Mieter sind von Anfang an hier." Viele profitierten voneinander.
Jetzt stehen Gewerbeflächen von 20 bis 1 100 Quadratmetern leer, zehn Prozent der Gesamtfläche. Als Neubau käme nur noch ein Dreigeschosser in Betracht. Nach zwei verhalteneren Jahren verhandelt Utz Eisenrigler wieder öfter mit potenziellen Mietern. "Die Zeit des Bauens ist vorbei. Jetzt konzentrieren wir uns aufs Vermieten und Verwalten." Auch wenn neue Mieter übers Internet aufmerksam werden: "Die meisten Kontakte verdanken wir nach wie vor unserer Bekanntheit in der Region."
Unübersehbar wirbt der Gewerbepark Wilthener Straße in Bautzen um weitere Mieter. Zwar sind die meisten Gebäude und Flächen vergeben, aber für Ansiedlungwillige finden die Verwalter des Parks immer einen Weg.
Visitenkarte
Größe: 65 500 Quadratmeter
Mietfläche: 35 000 Quadratmeter
Mieter: 45 Firmen
Arbeitsplätze: etwa 1 100
Freie Objekte: Mietangebote gibt es für Büroräume von 20 Quadratmetern Fläche bis hin zur zweigeschossigen Produktionshalle von 1 110 Quadratmetern.
Kontakt: 03591/35 55 00
www.gewerbepark-bautzen.de
25.01.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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