Textversion Pressearchiv im Gewerbepark Bautzen
28.01.2003 Sächsische Zeitung
Werkstatt für 200 behinderte Menschen in Betrieb
Diakoniewerk Oberlausitz investiert acht Millionen Euro / Provisorien werden aufgelöst / Aufträge aus der Industrie finanzieren Großteil des Betriebs
Die Provisorien können endlich dicht gemacht werden: Die Bautzener Behindertenwerkstatt bezieht in diesen Tagen ihr neues Gebäude in der Edisonstraße. In den Werkstätten und Montagesälen werden schon bald 210 Menschen schreinern, Kugelschreiber fertigen oder für die Elektroindustrie Bauteile zusammensetzen.
Das Großhennersdorfer Diakoniewerk Oberlausitz hat acht Millionen Euro investiert. Aus der eigenen Kasse steuert der Verein 800 000 Euro bei, noch einmal soviel kommt vom Arbeitsamt. Von Bundes- und Landesregierung kommen 6,4 Millionen Euro, so Ulrich Schabow, Leiter der Oberlausitzer Werkstätten. Aufträge für die Werkstatt holt Produktionsleiter Stephan Gärtner herein. Kein leichter Job. "Es ist schwierig, gut bezahlte Arbeiten zu bekommen." Moderne Maschinen in freundlicher Umgebung sollen helfen, Unternehmen zu überzeugen.
Gärtner braucht ständig Ideen für neue Arbeitsfelder. Die Werkstatt muss aus eigener Kraft Geld für die Löhne der behinderten Mitarbeiter, Abschreibungen und die Instandhaltung verdienen. Nur die 30 Diakonie-Angestellten werden über einen Pflegesatz bezahlt.
Die Auslastung ist Gärtners Angelegenheit, für die seelische und körperliche Gesundheit sorgt der Sozialdienst. Als begleitendes Angebot zum Arbeitsalltag organisieren Sozialpädagogen Gymnastik- und Schwimmkurse oder kümmern sich um die Erwachsenenbildung, erklärt Leiterin Mirjam Drexler. Für ein gutes Gefühl am Arbeitsplatz soll außerdem der Bau selbst sorgen. Er ist großzügig, hell, ohne Treppen und von viel Grün umgeben. Anders als die meisten Werkstatt-Provisorien in Bautzen.
Die Werkstatt-Filialen waren über das ganze Stadtgebiet verteilt: In Döberkitz in der Neusalzaer Straße und im Gewerbepark Wilthener Straße hatte das Diakoniewerk Räume angemietet. Bis auf die Wilthener Straße werden sie dicht gemacht. Im Gewerbepark erledigen weiterhin 100 Behinderte Metallarbeiten oder verpacken Produkte. In einem größeren Neubau hätten sie leicht Platz gefunden. Aber den wollte das Diakoniewerk nicht. "Die Zahl der Behinderten nimmt langfristig ab", so Werkstättenleiter Schabow. Ein größeres Gebäude könnte möglicherweise auf Dauer nicht ausgelastet werden. Er freut sich über den Neubau. Nur: Das Diakoniewerk wäre auch gerne ganz in der Wilthener Straße geblieben. "Der Gewerbepark hätte uns eine Werkstatt gebaut, wir hätten sie dann mieten müssen." Das käme nicht teurer als ein Neubau. Sozial-Behörden machten aber einen Strich durch die Rechnung: "Deutsches Recht sieht eine Mietlösung nicht vor", erfuhr Schabow.
In der neuen Werkstatt für Behinderte werden bald rund 210 Menschen arbeiten.
Heiko Engel
25.01.2012 © Gewerbepark Wilthener Straße GmbH, Bautzen
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