
Im Großraumbüro von Dimmel- Software im Gewerbepark Wilthener Straße sind die EDV-Experten direkt mit den Kunden verbunden, telefonieren und suchen gleichzeitig nach dem Problem im Computersystem. Was heute selbstverständlich ist, war vor 20 Jahren undenkbar. "Wir hatten weder Telefon noch Fax", sagt der 49-jährige Andreas Dimmel. Tauchten bei Kunden Fragen zum Computerprogramm, schrieben sie eine Postkarte. Andreas und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Ronald hatten im Mai 1990 gerade ihr Unternehmen gegründet und vertrieben Computerprogramme für Handwerker. "Wir wurden überrannt, es war ein riesiger Markt", erzählt Ronald Dimmel. Die Firmen brauchten Technik für Buchhaltung, zur Preiskalkulation, für einfach alles.
Ihre ersten Geschäftspartner lernten die beiden Informatik-Ingenieure auf der Computermesse Cebit in Hannover kennen. Mit ihrem Trabant und 40 Liter Sprit im Kofferraum fuhren sie nach Niedersachsen. Die Brüder hatten zwar keinen Plan, aber eine Idee: Sie wollten Software entwickeln. Beide hatten eine Karriere als EDV-Fachleute bei der NVA hinter sich und wussten, was sie konnten, aber ihnen war auch klar: Beim Militär gab es für sie keine Zukunft.
Nahe Hannover kamen die Lausitzer bei einem Verwandten unter, der zufälligerweise auch Ahnung von der Computerbranche hatte. Er machte sie auf Cebit mit Software-Herstellern bekannt. Wenige Wochen nach der Messe veranstalteten Andreas und Ronald Dimmel ihre erste EDV-Messe im Neukircher Hotel "Oberland". 60 Firmen kamen, es war ein großer Erfolg.
Mit Aufträgen überschwemmt
Dimmels Büro war das heimische Wohnzimmer. Wenn Telefonate zu erledigen waren, gingen sie mit den Hosentaschen voller Münzen zur Telefonzelle und stellten sich in die Schlange. "Wenn ich dran war, blieb ich solange drin, bis die Leute vor der Zelle unruhig wurden. Dann stellte ich mich wieder hinten an", erzählt Andreas Dimmel.
Ein Jahr nach der Firmengründung stellten sie die ersten beiden Mitarbeiter ein und zogen in eine Baracke an der Wilthener Straße. Ihre Firma konnte sich kaum vor Aufträgen retten. Mitte der 90er Jahre stockte das Geschäft, viele Firmen waren ausgestattet, brauchten keine Programme mehr. Ab dann entwickelte sich das Unternehmen immer mehr zur Softwareschmiede. "Wir begannen, an unserem eigenen Traum zu arbeiten", erinnert sich Ronald Dimmel.
Sie schnitten Standardprogramme auf ihre Kunden zu, was jede Menge Programmierarbeit bedeutete. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs - heute sind es 25 - und die Firma zog in den Gewerbepark Wilthener Straße. Dimmels hatten ihr eigenes Programm für mittelständische Firmen entwickelt, dem nur noch der Markenname fehlte. Und weil es etwas Typisches aus der Lausitz sein sollte, fragten sie bei Frank Stübner vom Lusatia-Verlag an. Der Verleger wusste Rat: "Koraktor" nach dem Buch des Zauberers Krabat sei doch passend. "Wir waren begeistert", sagt Andreas Dimmel. Seither hat die Firma 900 Lizenzen ihres Programms verkauft. "Wir leben für Koraktor."
Fotountertitel:
Erinnerung an alte Zeiten: Mit diesem Computer und dem dazugehörigen Röhrenbildschirm haben Andreas (l.) und Ronald Dimmel vor 20 Jahren ihre Firma gegründet. Heute beschäftigen die Brüder in ihrem Unternehmen Dimmel Software 25 Mitarbeiter.
Text: SZ/Heiko Engel
Foto: SZ/Uwe Soeder