|
Fußball, Formel 1 oder Tennis sind die Ausnahme. Die meisten Sportarten stehen abseits des Rampenlichts. In den Medien tauchen sie meist gar nicht auf. Die SZ rückt die Randsportarten der Lausitz in einer Serie in den Mittelpunkt. Heute: Die Ricochet-Spieler aus Bautzen. Von Daniel Klein Die ersten Probleme treten bei der Aussprache auf: Ricochet stammt aus dem französischsprechenden Teil Kanadas. Deshalb muss es phonetisch korrekt "Rikoschee" heißen. Norbert Kaczmarek ist das Stottern der Gesprächspartner vertraut. Auch, dass als Eselsbrücke eine ähnlich klingende Salatsorte herhalten muss. Für die stets darauffolgende Frage nach dem Wesen dieser äußerst seltenen Sportart hat der Spielertrainer des Ricochet-Clubs Bautzen eine Standardantwort parat. "Es ist schneller als Squash. Der Ball ist leichter, der Schläger kleiner und die Regeln sind etwas anders." Sonst meidet der 39-Jährige jedoch den Vergleich zum artverwandten Rückschlagsport. Mit einer Ausnahme: "Squash ist etwas für alte Männer." Was der Großpostwitzer damit meint, wird zunächst kaum deutlich. Die 44 Quadratmeter großen Boxen sollen zwar kleiner und niedriger sein als die Glaskästen beim Squash, doch wer nicht täglich einen kleinen Gummiball gegen eine Wand drischt, bemerkt den Unterschied kaum. Wohl aber die Betreiber von Fitness-Studios. Die kommen mit weniger Platz aus. Was wiederum Kosten spart. Vor fünf Jahren öffnete im Bautzener Gewerbepark "Wilthener Straße" der Fitness-Tempel "Go In" und damit die erste Ricochet-Anlage der sächsischen Lausitz. Bis heute ist es auch die Einzige. Die nächsten stehen in Cottbus und Dresden. In den neuen Bundesländern sind es insgesamt acht. Weshalb der Osten als Ricochet-Mekka gilt. Vor zwölf Jahren etwa entwickelte sich Ricochet in Kanada zur eigenständigen Sportart, dann schwappte es nach Holland herrüber, bis es schließlich vor acht Jahren Hamburg erreichte. Doch zur Trendsportart fehlt dem Squash-Zwilling die Popularität. Was sich nach Kaczmareks Ansicht kaum ändern wird. Doch gerade darin sieht der Dozent für Wirtschaftsfächer einen Vorteil. "Bei Wettkämpfen fühlt man sich wie eine große Familie", erzählt er. Was bei rund 2 000 Aktiven in ganz Deutschland kaum verwundert. Zu den besten zählt Kaczmareks Sohn René. Vor anderthalb Monaten gewann der 14-Jährige in Bautzen die German Open. Für derartige Erfolge muss der Schüler zwei Mal die Woche trainieren. In drei Jahren, wenn die Spreestädter die Europameisterschaft ausrichten wollen, wäre er 17. Zwar noch nicht das Idealalter, das nach Ansicht seines Vaters bei 20 beginnt, doch für Furore könnte er dennoch sorgen. Derartige Erfolge hat Norbert Kaczmarek bereits abgeschrieben. "Dafür bin ich schon zu alt", gesteht er und bestätigt damit seine eigene These: Ricochet ist eben nichts für alte Männer. Fitness-Center GO IN Bautzen, Wilthener Straße 32, Tel. (03591) 35 55 55. Öffnungszeiten: täglich bis 24 Uhr geöffnet, sonntags bis 20 Uhr.
|