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Die Einrichtungen im Landkreis Bautzen benötigen mehr Plätze als geplant "Wir rennen der Entwicklung immer hinterher." WERNER LUDWIGS-DALKNER, Leiter der Bautzener Werkstatt für Behinderte im Diakoniewerk Oberlausitz. Der Behindertenhilfeplan des Landkreises Bautzen ist noch kein Jahr alt, da muss er schon aktualisiert werden. Eigentlich wäre eine Fortschreibung erst nächstes Jahr dran gewesen. Von Madeleine Siegl-Mickisch "Aber die Entwicklung hat uns eingeholt", sagt Sozialdezernent Eckhart Friese. Die Werkstätten für Behinderte (WfB) platzen aus allen Nähten. Entsprechend den Vorgaben des Sozialministeriums waren für 0,2 Prozent der Einwohner des Landkreises Plätze in Werkstätten einzuplanen, also rund 330. Tatsächlich arbeiten inzwischen an den Standorten in Bautzen, Döberkitz, Kirschau und Bischofswerda aber mehr als 450 Behinderte. "Allein innerhalb der zwei Jahre, in denen der Behindertenhilfeplan erarbeitet wurde, hatten die Werkstätten 79 Neuzugänge", rechnet Friese vor. "Und der Bedarf steigt weiter." "Wir rennen der Entwicklung immer hinterher", ärgert sich Werner Ludwigs-Dalkner, Leiter der Bautzener Werkstatt für Behinderte im Diakoniewerk Oberlausitz. Schon im September 1999 sei klar gewesen, dass in diesem Jahr 30 neue Behinderte aufgenommen werden müssen und dafür eine zusätzliche Produktionsfläche von rund 1 000 Quadratmetern gebraucht wird. Noch habe er die Genehmigung, eine weitere Halle im Gewerbepark Wilthener Straße anmieten zu dürfen, nicht in der Hand. "Dabei haben wir schon 1995 ermittelt, dass der Bedarf bei mindestens 326 Plätzen liegt." Der Neubau, der in Bautzen an der Edisonstraße im März 2001 beginnen soll, wird aber nur 210 Plätze haben. So wird man weiterhin zusätzlich Räume mieten müssen, zumindest bis mehr Behinderte vor allem aus Altersgründen die Werkstatt verlassen, als neue hinzukommen. Das könnte in acht bis zehn Jahren der Fall sein, schätzt Ludwigs-Dalkner ein. Schon wieder zu klein ist auch der Neubau der Lebenshilfe-Behindertenwerkstatt in Bischofswerda, der erst vor einem halben Jahr in Betrieb ging. Die 120 Plätze sind belegt, "und im März nehmen wir schon wieder sieben Neuzugänge auf, die nächsten kommen dann im September", schildert Regine Schwarz, Geschäftsführerin der Lebenshilfe. "Wir müssen uns schon jetzt Gedanken machen, wohin wir noch ausweichen können." Verantwortlich für diese Entwicklung ist in erster Linie die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt. Da, wo es gesunde Menschen schon schwer haben, einen Job zu finden, gehen die Chancen für Menschen mit einem Handicap gegen Null. Die Arbeitsämter vermitteln deshalb immer mehr Behinderte in die Werkstätten. Darunter sind auch Abgänger von Förderschulen für Lernbehinderte, die früher nicht zum Klientel der Werkstätten gehörten. "Gerade sie machen uns Probleme, weil sie eigentlich mehr leisten können als unsere anderen Behinderten", sagt Regine Schwarz. Immer größer wird auch die Gruppe der chronisch psychisch Kranken in den WfBs. Allen gerecht zu werden und vor allem genug Aufträge aus der Industrie zu bekommen, damit auch Arbeit da ist, vor dieser Crux stehen die Werkstätten dann noch so ganz "nebenbei".
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